Standards für Ringärzte

Sporttauglichkeit beim Boxen – die Ringarztlizenz ist ein Nachweis für eine besondere sportmedizinische Qualifikation. Die Ringärzte betreuen vor allem internationale Begegnungen auf Vereins- und Landesverbandsebene und Länderkämpfe in ihrem Gebiet, ebenfalls die Meisterschaften ihres Landesverbandes und die Deutsche Meisterschaft, wenn sie von ihrem Verband durchgeführt wird.

Die Ärztekommission des Deutschen Amateur-Box-Verbandes besteht aus den Landesverbandsärzten und wählt einen Vorsitzenden und einen Stellvertreter. Sie diskutiert über medizinische Fragen im Boxsport und berät den Vorstand des Deutschen Amateur-Box-Verbandes in Entscheidungen, die medizinische Belange betreffen. Der Vorsitzende der Ärztekommission ist gleichzeitig Mitglied im erweiterten Vorstand des DBV.
Die erweiterte Ärztekommission der EABA und AIBA(Europäischer Welt-Amateur Box-Verband). Die EABA- / AIBA-Ärzte stehen allen Offiziellen des internationalen Amateur-Box-Verbandes für Gesundheitsfragen zur Verfügung mit dem Ziel, den Amateurboxsport zu fördern und die Gesundheit der aktiven Boxer zu schützen. Die Amateurboxer gehören zu den medizinisch am besten betreuten Sportlern. So erfolgt bei der Ersterteilung eines Kampfpasses und zu Beginn jedes Jahres die Jahresuntersuchung, die einem kompletten Gesundheitscheck entspricht.
Kampffähigkeit.
Nach einem k.o. ist ebenfalls eine ärztliche Untersuchung vorgeschrieben.
Nach einer Wettkampf- und/oder Trainingssperre ist zum Erhalt des Kampfpasses eine erneute Untersuchung erforderlich.
Bei Überschreitung der Altersgrenze für aktive Boxsportler ist eine Genehmigung durch den Verbandsarzt nötig, die neben der Jahresuntersuchung weitere medizinische Zusatzuntersuchungen erfordert. Auch die Kampfrichter sind verpflichtet, sich einer jährlichen Untersuchung zu unter­ziehen. Die Vereinsärzte betreuen auf Vereinsebene die Sportler, Trainer und Funktionäre.  Dies erstreckt sich auf das Training, die Vorbereitung für Wettkämpfe und die
ärztliche Betreuung am Ring.
Bei Boxveranstaltungen muß die dauernde Anwesenheit des Arztes sicher sein, da sonst der Wettkampf unterbrochen werden muß (auch nur bei kurzfristiger Abwesenheit). Bei entsprechender Notwendigkeit kann der Arzt jederzeit eine Kampfunterbrechung für maximal eine Minute zur kurzen Untersuchung eines Kämpfers mittels mehrerer Gongschläge durch den Zeitnehmer einleiten.
Auch kann ein Kampf jederzeit durch den Ringarzt allein aus medizinischen Gründen abgebrochen werden – ebenfalls über den Zeitnehmer durch mehrere Gongschläge. Bei einer Unterbrechung eines Kampfes oder in den Kampfpausen darf ärztliche Behandlung durch den Ringarzt oder einen anderen Arzt nicht erfolgen. Die Wettkampfbestimmung sieht vor, dann ein Boxer, der k.o. gegangen ist vom Arzt unmittelbar nach dem Kampf untersucht werden muß.

Zusätzlich erfolgt vor jedem Wettkampf eine ärztliche Untersuchung zur Feststellung der

Der Ringarzt hat ein Vorschlagsrecht bezüglich der Länge der Sperrfrist, die er zusammen mit dem Ergebnis der Untersuchung nach dem k.o. auf dem k o -Protokoll vermerkt. Wenn ein Kämpfer ausgezählt ist, muß er vom Ringarzt untersucht werden. Dieser hat über weitere ärztliche Folgemaßnahmen zu entscheiden. Die ärztliche Betreuung hat den Zweck, Schädigungsfolgen abzuwenden und die Kampffähigkeit nachzuweisen.
K.O. stellt einen vasovagalen Reflexvorgang dar der zu einem sofortigen Verlust des Muskeltonus, der Stellreflexe und der Sinneswahrnehmung führt. Bei einem Kopf-k o kann es beim Boxer zu einer Amnesie kommen. Bei einem Aufschlag mit dem Kopf auf dem Ringboden, Ringpfosten, sei es nach Kopf-k.o., Körper-k o. oder durch Stolpern, kann eine Commotio jederzeit entstehen. Hier tritt automatisch eine Schutzsperre nach § 40 WB in Kraft. Im Einzelfall kann der Ringarzt eine längere Sperre festlegen, die über die im § 40 Ziff 7 WS genannte Zeit hinausgeht. Die Wiederaufnahme der boxsportlichen Tätigkeit kann erst nach neurologischer Untersuchung (gegebenenfalls Schädel-CT oder MRT) und erfolgten Freigabe durch den Vereins- oder Verbandsarzt erfolgen.
Man unterscheidet einen Erschütterungs-k.o mit starker stumpfer Gewalteinwirkung auf den Kopf und Translations- und/oder Rotationsbeschleunigung des Kopfes. Dabei kommt es zum Zusammenbruch physiologischer Mechanismen im Gehirn wie der vasomotorischen Autoregulation und der Bluthirnschranke mit dadurch bedingter Störung der Sauerstoffversorgung der Kapillaren-Strombahn.
Beim Reflex-k. o. durch Körpertreffer kommt es zu vaso-vagalen Reflexmechanismen mit Blutdruckabfall und Bradykardie durch Schlagwirkung auf Carotissinus oder Plexus solaris, zu vago-kardialen Reflexmechanismen (Bezold-Jansch-Reflex) durch Schlag auf die linke Brustkorbseite, und zu Reflexmechanismen auf Grund starker Schmerzauslösung durch Schlag auf die Leber oder Milz.
Der Groggy-Zustand beinhaltet eine Einengung des gesamten Sensoriums mit verlangsamter Reaktion und Motorik. Der Tonus der Muskulatur, insbesondere der Halsmuskulatur ist so herabgesetzt, daß der Kopf bei jedem Treffer eine erhöhte Beschleunigung erfährt. Durch die eingeschränkte Bewusstseinslage und das hypokinetische Syndrom kann der Sportler seine Willkürmotorik nicht mehr voll beherrschen und es droht die Gefahr eines schweren Kopf- oder Körper-k.0.s; der Kampf ist abzubrechen und der Kämpfer möglichst anschließend vom Arzt zu untersuchen. Bei der Ausbildung der Ringrichter wird neben medizinischem Grundwissen vor allem die Fähigkeit zur Erkennung des sog. Groggy-Zustandes bei einem Kämpfer vermittelt.
Bei längerer Bewußtlosigkeit eines Kämpfers ist die umgehende Einweisung zur klinischen stationären Versorgung und Abklärung erforderlich (evtl. venöser Zugang, Intubation, Notarzttransport). Im Amateurboxsportbereich tätigen Offiziellen sind verpflichtet, jene Kämpfer der zuständigen LV-Stelle zu melden, die:
a)    infolge körperlicher Mängel,
b)    wegen überstandener schwerer Erkrankung bzw. Unfällen aller Art nicht geeignet erscheinen, den Boxsport auszuüben.
Bei akuten Erkrankungen oder Verletzungen eines Aktiven am Wettkampftag kann eine Versorgung des Erkrankten durch den Ringarzt erfolgen. Diese gilt als Notfallbehandlung. Eine Kurzinformation für den Hausarzt sollte dem Sportler mitgegeben werden. Akute fieberhafte Racheninfekte und chronische, eitrige Tonsillitis schließen den Boxer vom Kampf aus und sind einer adäquaten Behandlung zuzuführen. Boxer mit entzündlichen Hauterkrankungen, wie Furunkel. Carbunkel. Abszessen und schweren Akneformen erhalten bei der Wettkampfuntersuchung keine Starterlaubnis. 

Die Ausübung des Amateurboxsports verhindern folgende Gebrechen:
Taubheit und hochgradige Schwerhörigkeit.
Trommefelverletzungen (aber nicht reizlose Narben),
Blindheit auf einem Auge oder der Verlust eines Auges.
Der Visus auf jedem Auge muß mindestens das Lesen von Zeitungsdruckschrift auf 30 cm erlauben. (Weiche Haftschalen können verwendet werden).
Weiter besteht Boxuntauglichkeit bei Zustand nach Schädelbrüchen aller Art mit neurologischen Folgen: Zustand nach Schädel-Hirn-Verletzungen mit neurologischen Folgeschäden. Gehirnoperationen und Liquorbypässen. Ferner sind auszuschließen: Debilität, Imbezilität (Inteligenzstörung), Demenzen, Folgezustände nach organischen Hirnerkrankungen, Zustand nach Meningitis mit Defektheilung, Epilepsie und andere Anfallsleiden (Pyknolepsie, Narkolepsie etc. ), weiterhin Systemerkrankungen des Zentralnervensystems (wie multiple Sklerose etc) und Boxer mit pathologischem EEG, CT, MRT. Ein Zustand nach Polyomyelitis ist bei Fehlen größerer Funktionseinschränkungen und aus­reichendem Kräftezustand nicht unbedingt vom Boxsport auszuschließen.

Ein vorläufiges Boxverbot ist bis zu einer fachärztlichen Abklärung erforderlich:
Bei Bestehen eines nicht erschöpfbaren bzw. pathologischen Nystagmus,
bei latenten Paresen, Reflexanomalien, insbesondere bei pathologischen Reflexen z.B. Babinski-gruppe, bei Koordinationsstörungen, Gleichgewichts-störungen, Sensibilitätsstörungen jeglicher Art und Zustand nach Contusio cerebri. Blindheit auf einem Auge schließt Wettkampfboxen aus. Netzhautablösung und Augendrucksteigerungen, sowie Zustände nach Glaukom-OP und Träger harter Kontaktlinsen können ebenfalls nicht zugelassen werden. Die Kämpfer müssen über eine ausreichende Sehschärfe verfügen, die sie zu einer optimalen Verteidigungsmöglichkeit befähigt. Akute Entzündungen des Auges können zu einer vorübergehenden Boxpause zwingen. Strabismus mit Verlust des Stereosehens und Einschränkung des Gesichtsfeldes bedingen ein Boxverbot bis zur Abklärung durch den Facharzt.
Ein Ausschluß besteht bei Taubstummheit, erheblicher Hörminderung beidseits, totalem Hörverlust auf einem Ohr sezernierenden Trommelfelldefekten und Gleichgewichtsstörungen. Eine unbehandelte Hyperthyreose mit Symptomen führt nicht zum Ausschluß, ebenfalls eine Struma mit Behinderung der Atmung,
Boxverbot bedingen Zustände nach nicht folgenlos ausgeheilten Wirbelkörperfrakturen jedoch nicht zwingend bei Frakturen der Dorn- oder Querfortsätze oder Wirbelkörpereinbrüche, Amputationen im Bereich der unteren und oberen Extremitäten, (außer einzelne Zehen bzw. Finger), ferner Versteifungen (ein- oder doppelseitig) an Finger-, Hand-. Ellenbogen- Schulter- Hüft- und Kniegelenken. Neigung Spontanluxationen Schlottergelenke.
Ein Boxverbot bis zur exakten kardiologischen Abklärung sollte ausge-sprochen werden bei:
– pathologischen Herzklappenbefunden.
– entzündlichen Herzmuskelerkrankungen,
– Herzrhythmusstörungen mit hämodynamischer Wirksamkeit (z.B. Schwindel. Sehstörung),
– unbehandelte Hypertonie,
– Cardiomyopathie,
– Koronare Herzerkrankung.

Schwere obstruktive und restriktive Ventilationsstörungen bedingen einen Ausschluß vom Boxsport, ebenfalls Asthma bronchiale mit Einschränkung der Leistungsfähigkeit.
Größere Hernien wie auch Narbenbrüche bedingen eine Boxuntauglichkeit. Magen- und Darmulcera sowie alle akuten Infekte im Abdomen (Hepatitis, Cholecystitis. Pyelonephritis, exacerbierte Colitis, sowie Leber- und Milzvergrößerung haben eine Boxuntauglichkeit zur Folge.

Anaemie und Blutgerinnungsstörungen bedingen eine Boxsportuntauglichkeit

CHECKLISTE FÜR DEN RINGARZT 
 
Material:      Arzt + Notfallkoffer+ Defi, Adrenalin, Sauerstoff, Ambu-Beutel, Eis, Ärztliche Untersuchung vor dem Kampf :
Anamnese
Datum der letzten sportärztlichen Untersuchung zur Erneuerung der Lizenz.
Krankheiten oder Unfälle seither ( Infektionen, Frakturen )-(Zwischenanamnese).
Durchgemachte K.O.- Schläge, Datum. Wenn ja, wurden die neurologische Untersuchung und die Kontroll – EEG durchgeführt?
Gegenwärtiger Allgemeinzustand ( aktuelle, akute Erkrankungen und Unfallfolgen ).
Untersuchung
Haut, insbesondere im Gesicht ( unvollständige Vernarbung, durch Akne oder Furunkulose geschwächte Haut ).
Bewegungsapparat , besonders
Handgelenke und Daumenwurzel.
Bauch – und Thoraxwand, frische Rippenfraktur, Inguinal – oder Umbilikalhernie.
Neurologischer Status, Pupillenreflexe, Sehnenreflexe, Romberg in Einbeinstand.
Herz – Kreislauf , Auskultation des Herzens und der Lunge ( eventuell periphere Pulse und Blutdruck ).

Aufgaben während des Kampfes
Der Arzt greift auf Verlangen des Ringrichters ein, grundsätzlich bei jeder Hautverletzung. Je nach Schweregrad, Entscheidung zum Kampfabbruch. Wunden der Stirne, der behaarten Kopfhaut und Nasenbluten sind grundsätzlich gutartig und führen nicht obligatorisch zum Kampfabbruch. Wunden der Augenbrauen und am Jochbein rechtfertigen den Kampfabbruch wenn sie gross und tief sind. Bei Blutungen aus dem Mund ist der Kampf abzubrechen, wenn der Verdacht auf eine alveoläre oder Unterkieferfraktur besteht.
Nach jedem K.O. (inklusive technisches K.O. oder durch den Schlag gegen den Bauch), muss sich der Arzt schon im Ring vergewissern, dass eine genügende Erholung eingetreten ist. Der Ring muss für den Arzt frei sein!
Aufgaben des Arztes nach dem Kampf in der Umkleidekabine
Nach jedem K.O. und beim Vorliegen von Verletzungen der Haut oder des Bewegungsapparates, muss der Arzt den Boxer in aller Ruhe in der Umkleidekabine untersuchen und entscheiden, ob eine Therapie an Ort und Stelle oder eine Verlegung in ein Krankenhaus durchzuführen ist. Je nach Schweregrad muss rasch eine Ambulanz zur Verfügung gestellt werden. 

 

Quelle / Standards in der Sportmedizin v. A. Fischer, H. Mannes
Boxen Rosenheim / Bayyer / News

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