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Klitschko: „ich möchte den Ring als Sieger verlassen – egal, was es mich kostet“. Blockbuster! Generationen-Gefecht! Kampf des Jahrzehnts! Kein WM-Kampf im Schwergewicht ist in den letzten Jahren so gehypt worden wie der am kommenden Samstag zwischen Weltmeister Anthony Joshua (27) und Wladimir Klitschko (41).

Im Londoner Wembley Stadion steht nicht nur der IBF-Titel des Briten auf dem Spiel – es geht auch um den vakanten IBO- und den WBA-Super-Champion-Titel. Schon lange ist dieser Zusammenprall der Schwergewichte im Mekka des Sports ausverkauft: mit 90.000 Zuschauern! Weltweit wird der Kampf in über 150 Ländern übertragen, in Deutschland ist RTL live ab 22:00 Uhr dabei.

Wladimir, Sie waren mehr als ein Jahrzehnt Weltmeister, haben alles erreicht, was man in Ihrem Sport erreichen kann. Wie schwer fällt es Ihnen vor dem Hintergrund, sich noch zu quälen und den inneren Schweinehund zu überwinden? Ich habe nicht die Einstellung, dass ich alles erreicht habe, was ich erreichen möchte. Ein Sieg am 29. April, das ist mein Hauptziel, davon bin ich besessen. Ich trainiere auch mit einer unglaublichen Liebe zum Boxen und möchte unbedingt beweisen, dass ich den Ring wieder als Sieger verlassen kann.

Dabei könnten Sie auch mit Ihrer Frau zuhause auf der Couch liegen … Aber ich habe noch nicht die Spitze erreicht. Die Spitze ist Wembley mit 90 000 Zuschauern und einem Herausforderer, der absolut extravagant, interessant und stark ist. Diese Herausforderung macht mich morgens wach, so dass ich aufstehe und dann schon hoch aufgepumpt bin für den anstehenden Tag. Sie trägt mich im Training, wo ich mit vollen Kräften dabei bin und wirklich Vollgas gebe.

Jeder Kampf ist eine große Herausforderung. Ist die für Sie nun in der Rolle des Herausforderers noch größer geworden? Herausforderer mit 41 Jahren zu sein, ist eher ein Geschenk und wirklich etwas ganz Besonderes für mich. Das schafft nicht jeder, also habe ich schon in gewissen Maßen gewonnen. In dieser Rolle fühle ich mich am wohlsten und kann meine beste Leistung bringen. Wenn du ständig Deine Titel verteidigst, ist es noch komplizierter. Ich will das, was Joshua hat – den Titel!

Haben Sie etwas zu verlieren in dem Kampf? Ich habe nur zu gewinnen.

Möchten Sie mit 45 Jahren einmal alle Gürtel im Schwergewicht tragen? Ich glaube, die Tendenz geht dahin, dass Sportler auch in einem höheren Alter noch gut performen können. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass irgendwann jemand den Rekord von George Foreman knacken und mit 45 oder sogar 50 Jahren Weltmeister im Schwergewicht bleibt oder wird. Irgendwann wird das passieren, aber wer das sein wird? – schauen wir mal. Mein Ziel ist es nicht, denn ich genieße den Moment. Was morgen oder in fünf Jahren sein wird, kann ich nicht sagen.

Sie sind selbst durch viele Täler gegangen als Sportler. Wie schafft man das, sich immer wieder aufzurappeln, weiter zu machen? Jeder boxt sich durch im Leben – auf unterschiedlichen beruflichen Feldern. Ein Misserfolg, eine Niederlage, ein Rückschlag – das alles gehört dazu, im Leben wie in der Wirtschaft oder in der Politik. Man muss nur immer wieder diesen Willen haben, weiter zu kommen, sich weiter zu entwickeln, trotz der Rückschläge, die dich eigentlich gesünder, besser, motivierter, vollkommener machen. Es gibt so viele Parallelen zwischen mir und anderen Menschen, die nichts mit Sport zu tun haben. Wir gehen eigentlich den gleichen Weg. Er ist steinig und schwer, aber ich genieße es.

Was bedeutet für Sie Leidenschaft? Leidenschaft habe ich schon mit dem einen Wort benannt: Besessenheit. Es hat ein bisschen was mit einer extremen Form zu tun, aber man darf nicht vergessen: Der Kern der Besessenheit ist die Liebe. Die Liebe zu deinem Ziel und zu dem, was du tust. Diese Besessenheit, wieder Weltmeister werden zu wollen, macht mich stärker, besser, schneller, überlegender und klarer auf meinem Weg zum Ziel. Früher habe ich das nie verstanden, aber durch Lebenserfahrungen – auch solche, die nicht schön waren, verstehe ich diese Definition. Liebe und Besessenheit, vielleicht in einer extremen Form, bringen mich weiter zu meinem Ziel.

Wie definieren Sie Qual für sich? Ich habe Spaß, meinen Körper zu quälen. Quäle deinen Körper, bevor er anfängt, dich zu quälen. Und ich weiß, dass ich mich durch die Quälerei, durch die Schmerzen, in eine bessere Form kriege – mental und körperlich.

Sind Sie darauf eingestellt, am Samstag auch über Ihre Schmerzgrenze hinaus zu gehen? Ich möchte den Ring als Sieger verlassen – egal, was es mich kostet. Es kann auch wehtun, an Schmerzen kann man sich irgendwie schon gewöhnen. Ich habe diese Erfahrung auch schon gemacht und stelle mich auf einen schwierigen Kampf ein. Wie schwierig das sein wird, liegt allein an mir.

Während des Fury-Kampfes haben Sie im Angesicht der drohenden Niederlage eine gewisse Gleichgültigkeit durchblitzen lassen. Wie kriegt man die wieder aus dem Kopf? Ich war noch nie so viele Jahre erfolgreich, aber auf einmal war ich es und ich habe immer das gleiche Konzept dafür benutzt: Irgendwann wird der Gegner müde, bleibt er stehen. Irgendwann krieg ich den. Und dann sind im Fury-Kampf die Runden verlaufen und er blieb immer in Bewegung, was für mich so überraschend war. Nur am Ende in der 11. und 12. Runde habe ich angefangen, die Schläge zu platzieren, aber da war es schon viel zu spät. Aber das ist noch einmal eine Lehre gewesen. Es gibt einen guten Spruch: Wenn du einen Menschen zerstören möchtest, gib ihm 3, 5 oder 10 Jahre des Erfolgs. Denn ein Erfolg betäubt. Ich habe das nie so richtig verstanden, bis ich es erlebt habe. Und Steve Jobs hat dazu einen guten Satz gesagt: Prüfe immer die Weichen deines Erfolgs, kannibalisiere sie selbst, bevor es irgendwer anders tut. Und so ist es: Man muss die Weichen des Erfolgs immer überprüfen. Je weiter man kommt, je erfolgreicher man wird, desto mehr muss man sich selbst kannibalisieren, bevor das jemand anderes mit dir tut.

Sie hatten 2014 Joshua als Sparringspartner. Was haben Sie daraus mitnehmen können? Joshua und ich, wir beide haben uns ganz gut einstudiert – Joshua sogar viel mehr als ich. Er war damals einer von zehn Sparringspartnern. Er hatte viel mehr Zeit, mich von der Seite zu beobachten. Ich stand auch mit ihm im Ring. Ich werde jetzt nicht auf die boxtechnischen Genauigkeiten eingehen, aber wir beide haben einander sehr gut einstudiert. Diese Erfahrungen werden wir in den Kampf mitnehmen und die Konsequenzen für den eigenen Vorteil daraus ziehen.

Wer ist für Sie der Favorit für den Kampf? Ich bin innerlich der Favorit, nach außen bin ich der Underdog.

Die immer wiederkehrende Frage: Wie können Sie ihn schlagen? Mit meinen Händen, aber das ist nicht das Entscheidende. Mit Erfahrung. Wenn wir schon auf gleicher physischer Ebene sind, aber Erfahrungen spielen auch eine entscheidende Rolle.

Wie wichtig ist Ihr Team für Sie auf dem Weg zurück an die Spitze? Es gab nach der Niederlage im November 2015 natürlich viele Fragen. ‚Du solltest dein Team austauschen‘, hörte ich. ‚Die sind daran schuld, dass du einen Misserfolg gehabt hast. Der Coach war der Falsche, der Koch war der Falsche, der Physiotherapeut war der Falsche oder der Assistent war der Falsche.‘ Wir waren sehr erfolgreich für eine sehr lange Zeit und auch für einen gewissen Sinn. Und ich habe ganz klar entschieden, dass es keine Veränderungen im Team geben wird. Wir haben ihn erlebt, den Misserfolg. Und gemeinsam drehen wir das zum Guten. Wir werden gemeinsam Erfolg haben und zeigen, dass wir auch als Team zusammenstehen und es auch noch einmal der Welt zeigen können, dass wir nicht umsonst so lange Champions waren.

RTL überträgt den Blockbuster im Wembley Stadion ab 22.00 Uhr.

Quelle Boxen. de Foto: Facebook Fanpage Klitschko Quelle: RTL
Boxclub Rosenheim / Bayer / News

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